KUNSTURLAUB

Kleine Auszeit für Kunstfreunde hier in Düsseldorf

Die Künstler – Interview mit JBS

3 Kommentare

Jutta-vor den kunstbüchern

Jutta Brandt-Stracke

Kunst ernährt.

Jutta Brandt-Stracke im Gespräch mit Marie Sternhagel*

 Jutta ist eine der Macherinnen von KUNSTURLAUB.

Seit sie denken kann, malt sie Bilder. Außen und Innen verweben sich in ihren Arbeiten, bilden eine neue Realität, erzählen Geschichten. Manchmal bleiben sie rätselhaft. Eine Träumerin also?

Ich treffe sie in ihrem derzeitigen Atelier in Düsseldorf-Benrath. Gemütlich sieht es aus, weniger nach Werkstatt als nach Zu Hause. Ihr Hund Jimmy schläft auf dem Sofa.

S: Wohnst du hier auch?

JBS: Nein, aber ich brauche als Arbeitsplatz immer eine Umgebung, in der ich mich wohl fühle. Meine Bücher, etwas Kunsthandwerk, was zum Sitzen. Das lenkt mich nicht ab. Im Gegenteil ermöglicht es mir eine Konzentration auf das Arbeiten.

S: Und viele deiner Bilder hängen auch hier. Was ist deine Haupttechnik?

JBS.: Die meisten Bilder habe ich mit Acrylfarbe gemalt. Als Malgrund kommt überwiegend Leinwand zum Einsatz, die vorher gerne mit selbstgefertigten Strukturpasten aus Marmormehl bearbeitet wird.

S: Man sieht das oft bei deinen Bildern. Dadurch gibt es dann mehrere Ebenen, nicht wahr?

JBS: Stimmt. Da sind dann Höhen und Tiefen, Risse, Ecken, Kanten. Ich stelle mir immer vor, dass ich in ein Gesicht schaue. Das ist ja auch nicht glatt und leer. So stellt sich mir schon etwas entgegen, das ich nicht unbedingt beeinflussen kann.

S: Dann weißt du gar nicht, wie es später aussehen wird?

JBS: Den Auftrag der Marmorpaste kann man bestimmen, aber die Art wie sie reißt, nicht.

S: Verstehe. Aber nicht alle deine Bilder sind so bearbeitet. Das Bild dort auf der Staffelei zum Beispiel ist nicht so rissig.

JBS: In letzter Zeit male ich gerne auch mit Ölfarben. Hier finde ich es so beeindruckend, wie weich sie ineinander und zusammen gehen. Da  passt ein rissiger Untergrund nicht.

S: Gibt es noch mehr Techniken, die dich interessieren?

JBS: Ich bin mal ganz ehrlich. Ich würde mich langweilen, wenn ich immer nur in eine Richtung kreativ sein dürfte. Die unterschiedlichen Techniken des Ausdrucks sind doch wie verschiedene Sprachen, die man kann. Und das Tolle ist, dass man sie in der Kunst fast alle miteinander kombinieren kann. Dieses Jahr habe ich die Fotokunst für mich entdeckt, aber auch die Radiertechnik. Das ist alles sehr spannend und bringt mich weiter, auch wenn ich manche Stränge nicht weiter intensiv verfolge wie etwa das Plastizieren. Dennoch ist die Auseinandersetzung damit ganz wichtig für meine Kunstentwicklung.

S: Apropos Entwicklung. Ich sehe mittlerweile  mehr Figuren in deinen Bildern. Ist deine abstrakte Arbeit auch solch ein Strang geworden, den du nicht mehr verfolgst?

JBS: Nein, das kann man so nicht sagen. Für mich ist auch eine Figur oder ein Gesicht, das ich male, Form und Farbe, die ich in einen Gesamtzusammenhang stelle. Aber ein menschliches Gesicht in einem Bild ist immer etwas sehr Eindringliches. Und ich bevorzuge ja insbesondere Modelle mit sehr viel Individualität. Nicht unbedingt die keimfreien Supermodels. Da kann man sich erst einmal festhalten und dann nach und nach die Bildgeschichte erkunden.

S: Dann erzählen deine Bilder eine Geschichte?

JBS: Nicht nur eine. Jeder Betrachter schreibt seine eigene Geschichte. Und wenn er will, erzähle ich ihm meine.

S: Also bist du nicht die ferne schweigende Künstlerin?

JBS: Ganz und gar nicht. Ich finde, wer eine Ausstellung macht, muss sich auch mit den Menschen, die sie besuchen, unterhalten können. Mir erscheint es immer irgendwie elitär, wenn man zu seinen Bilder gar nichts sagen möchte und die Betrachter allein lässt oder sie Kunstkritikern überlässt, die ihnen sagen, was sie von einem Bild zu halten haben. Kunst ist für alle da. Und so, wie ich mich in einem Restaurant gerne über das Essen unterhalte, so auch über ein Bild, das ich betrachte.

S: Hängen Kunst und Essen für dich etwa zusammen?

JBS: Mehr noch. Ich behaupte: Kunst ernährt. Wer sich auf Kunst einlässt, ob als Macher oder Konsument, dem wird etwas zuteil, das ihn wachsen lässt. Man muss ja nicht gleich groß und schwer daher kommen. Der KUNSTURLAUB ist zum Beispiel eine Veranstaltung, wo man spielerisch und leicht hinein fallen kann.

S: Das will ich dann mal gerne bei der Ausstellung ausprobieren. Sind denn die Künstler die ganze Zeit dabei?

JBS: So ist es. Und wenn sie aus natürlichen Gründen mal abwesend sind, findet sich immer ein Ansprechpartner.

S: Klingt gut. Dann sehen wir uns ja dort.

JBS: Ich freue mich auf dich!

 

* Marie Sternhagel ist freie Schriftstellerin und Autorin und hat u.a. auch einen You-Tube-Kanal.

3 Kommentare zu “Die Künstler – Interview mit JBS

  1. ja, so ist sie – authentisch und überzeugt sowie überzeugend

  2. Ich werde auf jeden Fall zu den „Gernequatschern“ gehören. Bin total gespannt.

  3. sehr sympathisches Interview!

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