KUNSTURLAUB

Kleine Auszeit für Kunstfreunde hier in Düsseldorf


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Beim Wort genommen – eine Geschichte zu „Coppélias Botschaft“

Coppélias Botschaft

Jutta erzählt eine Geschichte zu dem Bild „Coppélias Botschaft“

Im Interview mit Marie Sternhagel habe ich gesagt, dass ich bereit bin, auch meine persönlichen Geschichten zu meinen Bildern zu erzählen.

Nun möchte ich zeigen, dass man mich beim Wort nehmen kann, ein bisschen neugierig auf die Ausstellung machen und gerne auch mit den Betrachtern kommunizieren. Dafür gibt es auf diesem Blog die Möglichkeit, Kommentare abzugeben, auf die man wieder antworten kann. Dazu will ich hiermit auch ermutigen!

Das Bild „Coppélias Botschaft“ ist über dem Artikel abgebildet.

Es ist 80 X 80 cm groß und in Wirklichkeit viel leuchtender.

Ich freue mich auf jede/n, der sich auf der Ausstellung davon überzeugen möchte.

Man kann erkennen, dass ich hier auf einer Leinwand gemalt habe, die mit Strukturmassen bearbeitet wurde. Man sieht Risse und Spalten. An manchen Stellen ist der Untergrund aber glatt, und von einer solchen Stelle schaut uns das Gesicht von Coppélia entgegen. Ihr Blick ist sehr intensiv, als wolle sie etwas sagen. Aber Coppélia kann nichts sagen, denn sie ist eine Puppe.

Den Musikfreunden unter uns ist Coppélia als Figur aus dem gleichnamigen Ballett sicherlich bekannt. Sie ist die menschenecht gestaltete mechanische Puppe des Dr. Coppelius, eines Zauberers. Sein größter Traum ist es, dieser Puppe Leben einzuhauchen. Das gelingt ihm nicht. Nur einmal scheint es so, aber da hat ein Mensch sich als Coppélia verkleidet. Das ist Swanilda, deren Verlobter sich zu ihrem Leid unsterblich in die schöne Puppe verguckt hat. Wen der Plot interessiert, der kann ihn ja im Opernführer oder im Internet nachlesen.

Ich finde, er passt gut in unsere Zeit. Es laufen so viele „Coppélias“ herum. Und sie sind fast wie lebensecht. Viele echte Menschen verlieben sich in sie.

Einer meiner Lieblingsfilme ist „Blade Runner“ von Ridley Scott  nach dem Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ von P.K. Dick. Beide befassen sich mit bioethischen Fragen. Ich empfehle diesen Film jedem. Ganz große Kunst!

Dürfen Menschen Menschenähnliche kreieren und was geschieht, wenn diese ein Eigenleben entwickeln, Gefühle, Identität, Erinnerung erlangen? Darf ich sie dann eliminieren so wie ich sie erschaffen habe? Hochspannend!

Utopie? Mitnichten.

Ich nenne mal ein paar Stichwörter: Stammzellenmedizin, Klonen, Gentechnik, In-vitro-Zeugung usw.

In dem Film stellen die so genanten Replikanten immer wieder darauf ab, dass sie eine Erinnerung haben an ihre persönliche Geschichte: Bilder und Wissen, Stimmen und Musik, die sie hören. Daraus leiten sie den Grund ihrer Identität her und das Recht, leben zu dürfen. In einer der bewegendsten Szenen des Werkes schildert Roy im Sterben Bilder, die er gesehen hat und die mit seinem Tod verschwinden werden.

Was aber ist Erinnerung? Und inwieweit stimmt sie mit der „Realität“ überein? Können wir sie – so wie wir immer behaupten – Erinnerung mit anderen teilen? Sind unsere Erinnerungen „Wahrheit“ oder hängt diese immer von der Perspektive ab? Gibt es absolute Wahrheit?

 Mit diesen  – eigentlich philosophischen  – Fragen befasst sich meine Arbeit.

(Wer dazu etwas lesen möchte, kann sich mit dem philosophischen Ansatz der Postmoderne beschäftigen. Als Musik dazu empfehle ich Philip Glass.)

 In dem Bild sieht man merkwürdige Scheiben aus Papier. Das sind Fotos der so genannten „Voyager Golden Record“. Das ist eine Datenplatte mit Bild- und Audioinformationen, die 1977 an Bord der interstellaren Raumsonden Voyager 1 und 2 angebracht und in das All geschossen wurden. Sie sollen 500 Millionen Jahre überdauern und eventuellen außerirdischen Intelligenzen Zeugnis darüber ablegen, dass es die Menschheit gibt (oder gab). Darauf hört man u.a. Musikstücke, Tiergeräusche, Grüße in 55 Sprachen der Erde und friedliche Botschaften. Man sieht 115 wunderschöne Bilder von der Erde und ihren Lebewesen.

Man sieht nicht:

Hungernde, Krieg, Obdachlose, Mord, sterbende Spezies, Angst, Folter……man kann die Liste beliebig erweitern.

Insofern ist unsere Botschaft an unsere Brüder und Schwestern im All über die Menschheit nicht ganz wahr. Vielleicht ist das aber auch nicht wichtig, denn wir wissen nicht, ob irgendjemand die Botschaften jemals erhalten wird und ob er in der Lage ist, sie zu entschlüsseln. Die Botschaften sind wie eine Flaschenpost.

Die liegt unten im Bild. Neben einem Ei – einem Symbol des Lebens. Noch immer nicht entschlüsselt. Trotz DNA-Forschung und Gentechnologie.

 

Das ist „Coppélias Botschaft“.


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Was ist Kunsturlaub?

KUNSTURLAUB?

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Zuallererst ist KUNSTURLAUB eine Bilderausstellung mit Gemälden und Fotokunst. Aber der Name sagt schon etwas aus über deren Intention.

Jutta und David haben KUNSTURLAUB geschaffen.

Sie haben die Vorstellung von einem Event, der den Besuchern und ihnen selbst eine kleine Auszeit vom Alltag bietet. Eine Art Urlaub eben. Darum wird hier nicht nur eine Reihe farbenfroher Bilder gezeigt.

Wer das sucht, wird das natürlich finden.

Aber darüber hinaus geschieht noch mehr:

Klang und Musik. Gespräche. Möglichkeiten zum Relaxen. Drinks zum Entspannen. Neue Leute kennen lernen. Anregung. Boule spielen. Lesen. Bonbons. Naturerleben. Traumerleben. Lustwandeln. Die Seele streicheln oder zumindest baumeln lassen. Hundeleckerlis…

Für wen ist KUNSTURLAUB ?

Für Kunstfreunde. Für Kunstfremde.

Für Nordparkspaziergänger (und ihre vierbeinigen Freunde), Familien mit und ohne rollenden Fahruntersätzen, Gernequatscher und Stillewasser, Alt und Jung, für Touristen und Urlauber, Daheimgebliebene und Ruhesuchende, Leute mit und ohne Geld, volle und leere Köpfe, Neugierige, Offene, Aquazoobesucher, Cosplayer und andere Rollenspieler.

Für jeden aufgeschlossenen Menschen.

Für Sie, für dich.

Jutta und David freuen sich auf viele, viele Besucher.

Die beiden Künstler sind auch im Internet vertreten unter http://www.brandtstracke.de und http://www.davidart.de .


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Die Künstler – Interview mit JBS

Jutta-vor den kunstbüchern

Jutta Brandt-Stracke

Kunst ernährt.

Jutta Brandt-Stracke im Gespräch mit Marie Sternhagel*

 Jutta ist eine der Macherinnen von KUNSTURLAUB.

Seit sie denken kann, malt sie Bilder. Außen und Innen verweben sich in ihren Arbeiten, bilden eine neue Realität, erzählen Geschichten. Manchmal bleiben sie rätselhaft. Eine Träumerin also?

Ich treffe sie in ihrem derzeitigen Atelier in Düsseldorf-Benrath. Gemütlich sieht es aus, weniger nach Werkstatt als nach Zu Hause. Ihr Hund Jimmy schläft auf dem Sofa.

S: Wohnst du hier auch?

JBS: Nein, aber ich brauche als Arbeitsplatz immer eine Umgebung, in der ich mich wohl fühle. Meine Bücher, etwas Kunsthandwerk, was zum Sitzen. Das lenkt mich nicht ab. Im Gegenteil ermöglicht es mir eine Konzentration auf das Arbeiten.

S: Und viele deiner Bilder hängen auch hier. Was ist deine Haupttechnik?

JBS.: Die meisten Bilder habe ich mit Acrylfarbe gemalt. Als Malgrund kommt überwiegend Leinwand zum Einsatz, die vorher gerne mit selbstgefertigten Strukturpasten aus Marmormehl bearbeitet wird.

S: Man sieht das oft bei deinen Bildern. Dadurch gibt es dann mehrere Ebenen, nicht wahr?

JBS: Stimmt. Da sind dann Höhen und Tiefen, Risse, Ecken, Kanten. Ich stelle mir immer vor, dass ich in ein Gesicht schaue. Das ist ja auch nicht glatt und leer. So stellt sich mir schon etwas entgegen, das ich nicht unbedingt beeinflussen kann.

S: Dann weißt du gar nicht, wie es später aussehen wird?

JBS: Den Auftrag der Marmorpaste kann man bestimmen, aber die Art wie sie reißt, nicht.

S: Verstehe. Aber nicht alle deine Bilder sind so bearbeitet. Das Bild dort auf der Staffelei zum Beispiel ist nicht so rissig.

JBS: In letzter Zeit male ich gerne auch mit Ölfarben. Hier finde ich es so beeindruckend, wie weich sie ineinander und zusammen gehen. Da  passt ein rissiger Untergrund nicht.

S: Gibt es noch mehr Techniken, die dich interessieren?

JBS: Ich bin mal ganz ehrlich. Ich würde mich langweilen, wenn ich immer nur in eine Richtung kreativ sein dürfte. Die unterschiedlichen Techniken des Ausdrucks sind doch wie verschiedene Sprachen, die man kann. Und das Tolle ist, dass man sie in der Kunst fast alle miteinander kombinieren kann. Dieses Jahr habe ich die Fotokunst für mich entdeckt, aber auch die Radiertechnik. Das ist alles sehr spannend und bringt mich weiter, auch wenn ich manche Stränge nicht weiter intensiv verfolge wie etwa das Plastizieren. Dennoch ist die Auseinandersetzung damit ganz wichtig für meine Kunstentwicklung.

S: Apropos Entwicklung. Ich sehe mittlerweile  mehr Figuren in deinen Bildern. Ist deine abstrakte Arbeit auch solch ein Strang geworden, den du nicht mehr verfolgst?

JBS: Nein, das kann man so nicht sagen. Für mich ist auch eine Figur oder ein Gesicht, das ich male, Form und Farbe, die ich in einen Gesamtzusammenhang stelle. Aber ein menschliches Gesicht in einem Bild ist immer etwas sehr Eindringliches. Und ich bevorzuge ja insbesondere Modelle mit sehr viel Individualität. Nicht unbedingt die keimfreien Supermodels. Da kann man sich erst einmal festhalten und dann nach und nach die Bildgeschichte erkunden.

S: Dann erzählen deine Bilder eine Geschichte?

JBS: Nicht nur eine. Jeder Betrachter schreibt seine eigene Geschichte. Und wenn er will, erzähle ich ihm meine.

S: Also bist du nicht die ferne schweigende Künstlerin?

JBS: Ganz und gar nicht. Ich finde, wer eine Ausstellung macht, muss sich auch mit den Menschen, die sie besuchen, unterhalten können. Mir erscheint es immer irgendwie elitär, wenn man zu seinen Bilder gar nichts sagen möchte und die Betrachter allein lässt oder sie Kunstkritikern überlässt, die ihnen sagen, was sie von einem Bild zu halten haben. Kunst ist für alle da. Und so, wie ich mich in einem Restaurant gerne über das Essen unterhalte, so auch über ein Bild, das ich betrachte.

S: Hängen Kunst und Essen für dich etwa zusammen?

JBS: Mehr noch. Ich behaupte: Kunst ernährt. Wer sich auf Kunst einlässt, ob als Macher oder Konsument, dem wird etwas zuteil, das ihn wachsen lässt. Man muss ja nicht gleich groß und schwer daher kommen. Der KUNSTURLAUB ist zum Beispiel eine Veranstaltung, wo man spielerisch und leicht hinein fallen kann.

S: Das will ich dann mal gerne bei der Ausstellung ausprobieren. Sind denn die Künstler die ganze Zeit dabei?

JBS: So ist es. Und wenn sie aus natürlichen Gründen mal abwesend sind, findet sich immer ein Ansprechpartner.

S: Klingt gut. Dann sehen wir uns ja dort.

JBS: Ich freue mich auf dich!

 

* Marie Sternhagel ist freie Schriftstellerin und Autorin und hat u.a. auch einen You-Tube-Kanal.